Salomon Ultra Running Academy

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Zwischenfazit oder Saisonfazit einer speziellen Laufsaison

Im Jahr 2016 sind meine Blog Einträge eher rar gesät. Dies hat nichts damit zu tun, dass ich zu faul bin um Berichte zu schreiben, sondern eher damit, dass es nicht viel zu berichten gibt. Sicherlich könnte ich täglich den aktuellen Stand mitteilen, dies fände ich aber auch für meine Leser eher bemühend. Nichtsdestotrotz möchte ich aktuell ein kurzes Fazit des Jahres 2016 erstellen. Ob es ein Zwischen- oder ein Schlussfazit ist, weiss ich leider oder vielleicht auch zum Glück selbst nicht. Dies hängt vom weiteren Verlauf meiner gesundheitlichen Probleme, des Wetters und der Motivation ab.

Grob gesagt gab es bis anhin ein grosses Hightlight. Am 23. Juli startete ich in Ehrwald zum Zugspitze Trailmarathon. Über die 43.5km und fast 4’000 Höhenmeter konnte ich nach 5h und 41min den tollen zweiten Rang erreichen hinter Lukas Nägele. Symptomathisch ist jedoch, dass ich mich auch in diesem Rennen bei Kilometer 12 verletzte und mir den Oberarm brach. Trotzdem stimmte mich diese Leistung optimistisch und gab mir viel Selbstvertrauen zurück.

Ansonsten ist zu erwähnen, dass ich den milden letzten Winter geniessen konnte und meine Trainings auf hohem Niveau weiterführen konnte. Bereits in den ersten Monaten des Jahres sammelte ich Höhenmeter und befand mich im Tempoaufbau fürs erste Saisonziel: Den Vienna City Marathon, wo ich endlich die 2:30er Marke knacken wollte. Auch dieses Jahr musste ich jedoch feststellen, dass mich das Training für einen flachen Marathon zu stark beansprucht im Vergleich zu den geliebten Bergeinheiten. Zwar konnte ich grosse Fortschritte in der Tempohärte erzielen und steigerte meine Grundschnelligkeit. Dies hinterliess jedoch seine Spuren und zu Beginn des Monats März riss ich mir ein gesamtes Muskelbündel am rechten Hamstring. Mein Sportarzt Christian Schlegel war erstaunt über die Schwere der Verletzung und prognostizierte mir bereits zu Beginn einen Tempotraining- und Wettkampfausfall von mindestens acht Wochen. Das Gute war jedoch, dass ich jederzeit Radfahren konnte und auch Berglaufen war mir erlaubt. Nur flache, lange und schnelle Trainings musste ich in den Frühling verschieben. Daher war mein erstes Saisonziel auch utopisch zu erreichen. Ich fokussierte mich danach auf die Langdistanz Berglauf WM in Slovenia. Jedoch war der Wiedereinstieg ins Training nach dem Bündelriss eher harzig. Zudem reagierte der Körper stark auf die ersten Reize. Natürlich konnte ich den Muskelkater akzeptieren, dass ich jedoch zusätzlich starke muskuläre Disbalancen erlitt war ein Rückschlag. Das Ganze mündete in eine schmerzhafte ISG Blockade. Die gesamte Muskulatur am Hintern und an der Hüfte war total verhärtet. Wieder musste ich zwei, drei Wochen mit Trainings pausieren. Umso motivierter begann ich danach mit intensiven Bergeinheiten. Schnell führten die Disbalancen dann aber zu einer Sehnenscheidenentzündung im linken Sprunggelenk. Jetzt war der Höhepunkt der Misere erreicht. Eine Entzündung ist immer mühsam und die Heilung nicht absehbar. Ich konnte keinen Marathon im Sommer absolvieren, vier Wochen gar keinen Schritt machen und auch nicht das Wetter in den geliebten Bergen geniessen. Die Stimmung war auf dem Nullpunkt angelangt.

Erst Mitte Juli gelang mir der Wiedereinstieg ins Training und spontan entschied ich mich für das erwähnte Abenteuer an der Zugspitze, wo meine Verletzungsgeschichte weiterging.

Zum Glück ist ein Knochenbruch, respektive die Heilung meistens absehbar und ich konnte nach einer Woche Schonung bereits wieder gut trainieren. Mit Wettkämpfen war es mir zu Beginn etwas gar riskant und ich entschloss mich den Fokus total auf den Jungfrau Marathon im September zu setzen. Jedes Jahr ein neuerliches Highlight mit der tollen Kulisse von Eiger, Mönch und Jungfrau. Die Vorbereitungen verliefen ganz gut. Ich konnte einige längere Eiheiten, zahlreiche Höhenmeter, Intervalle auf der Bahn, auf dem Laufband und am Berg aufs Parkett bringen. Frohen Mutes widmete ich mich letztes Wochenende nach einigen guten Trainingseinheiten in Flims und im Engadin den Abschlusstrainings. Eine Intervalleinheit auf dem Laufband, ein 20-minütiger Tempolauf und ein spritziger Berglauf mit schnellem Downhill standen auf der Agenda. Alles ging nach Plan auf und die Form war sehr gut, was ich auch nie bezweifelte. Doch letzten Montag Morgen stand ich auf und konnte mich kaum bewegen. Wieder war der ISG total blockiert und jeder Schritt schmerzte. Ich „genoss“ drei Physiotherapien und Massagen, zwei Saunabesuche und viele Dehneinheiten in der Vorwettkampfwoche. Die Laufkilometer beschränkten sich auf 25-30. Am Samstag musste ich mir leider eingestehen, dass der Körper nicht bereit ist für die Belastung eines Marathons. Zwar kann ich am Berg meine Leistung abrufen, die Kilometer in der Fläche schmerzen mir desweilen zu stark. DNS, Did not start, beim Jungfrau Marathon 2016.

Wie es mit der weiteren Saison ausschaut weiss ich noch nicht. Zuerst möchte ich den Spätsommer geniessen, den Kopf frei bekommen und mir dann völlig unverkrampft Gedanken machen, was ich mir als nächstes vornehme. Eines ist gewiss: Diese Saison war speziell, ich versuche aber auch daraus meine Lehre zu ziehen und stärker zu werden. „Keep on running !“

Geburtstag gefeiert auf der Zugspitze/ Scott Zugspitze Trail Marathon

Lange ist es her, ja beinahe eine Ewigkeit, seit ich meinen letzten Wettkampfbericht verfassen konnte. Nach dem Saisonabschluss beim Jungfraumarathon im Septembe 2015 war ich nur noch beim Silvesterlauf in Altach AT auf einer Rangliste zu finden. Die bisherige Saison war geprägt von Verletzungen und Wehwechen. Nach dem Muskelbündelriss am Hamstring tangierten mich mehrere muskuläre Disbalancen und eine üble Sehnenscheidenentzündung am Sprunggelenk. An dieser Stelle möchte ich mich bei meinen Sportärzten Christian Schlegel und Christian Hoppe vom SOMC in Bad Ragaz und Andreas Enggist vom Enggist Medical Fitness für die tatkräftige Unterstützung und Hilfe in dieser schwierigen Zeit bedanken.

Vor zwei Wochen habe ich nach fast vier Wochen Laufpause mein spezifisches Training wieder aufgenommen. Neben einigen knackigen kurzen Tempoeinheiten auf dem Laufband im Fitnesscenter konnte ich endlich auch wieder Longjogs mit zahlreichen Höhenmetern absolvieren und die Natur geniessen. So erstürmte ich die Pfälzerhütte, die Gamperney und den Voralpsee und am letzten Mittwoch im Vollmond den Alvier. Zu Beginn der Woche entschied ich mich für einen Start beim Scott Zugspitze Trail Marathon in Ehrwald AT. Ein Event von Plan über die Distanz von 43.5 Kilometern mit knapp 4’000 Höhenmetern beinahe ausschliesslich auf Trails, Schotterwegen, hochalpinem Gelände und Forststrassen. Sicherlich eine gewagte Herausforderung nach so langer Wettkampfabstinenz und ohne Leistungsausweis in letzter Zeit. Trotzdem freute ich mich auf die Challenge, speziell auch, weil ich am Wettkampftag Geburtstag hatte und mich selbst beschenken wollte.

Die Wetteraussichten für das Spektakel waren durchzogen. So zog auch am Freitag Nachmittag eine heftige Gewitterfront über die Zugspitze Arena und gestaltete das Terrain nass und matschig.

Am Morgen vom 23. Juli war um 03.45 Uhr Tagwach. Nach einigen Dehnübungen, Stabilisationen und einer kalten Dusche musste ein kleines Frühstück genügen. Schliesslich war bereits um 06.00 Uhr der Start angesagt und ich musste mich zuerst für die Veranstaltung nachmelden. Zudem galt es eine halbe Stunde zuvor die Pflichtausrüstung (Rucksack, 1.5l Getränke, Trinkbecher, Regenschutz, Kappe und Handschuhe, Trillerpfeife, Medipack, Streckenkarte, Traillaufschuhe) kontrollieren zu lassen. Frohen Mutes liess ich dieses Prozedere über mich ergehen und freute mich auf die kommenden Stunden in der herrlichen Umgebung. Beim Blick auf die Startliste war mir schnell klar, dass ich zu den Favoriten zählen würde neben den Deutschen Markus Mingo, Moritz auf der Heide und Lukas Nägele. Alles Athleten, die Ihre Leistungsfähigkeit auch schon im Nationaltrikot unter Beweis gestellt haben. Daneben war auch weitere gute Sportler am Start wie Helmut Perreten aus Unterseen BE und mein Trainingskollege Josef Vogt aus dem Fürstentum.

Pünktlich liess uns der Starter auf die Strecke. Der erste Kilometer war neutralisiert und führte uns durch Ehrwald. Schnell setzten sich an der Spitze Lukas Nägele und Moritz auf der Heide in meiner Gefolgschaft ab. In direkter Schlagdistanz hatten wir schnell keinen Konkurrenten mehr. Auch als es nach knapp drei Kilometern in den ersten Aufstieg zum Grünen Ups ging wiesen wir bereits einen stattlichen Vorsprung auf. Gute 800 Höhenmeter galt es hier zu absolvieren. Auf feuchten aber herrlichen Trails schossen wir den Hang hoch. Natürlich durfte die gegenseitige Unterhaltung nicht fehlen und wir drei hatten einen genussvollen, ja beinahe lustigen ersten Aufstieg. Belohnt wurden wir auf dem Gipfel mit einem herrlichen Blick auf das dicke Nebelmehr über Ehrwald. Der Abstieg zurück ins Tal nach Lähn erwies sich jedoch als heimtückisch. Zu aufgeweicht war das Gelände und natürlich ging es auch ziemlich steil nach unten. Ich musste zwei Stürze in Kauf nehmen. Gleich erging es auf der Heide. Das war auch der Grund, wieso sich Nägele etwas von uns distanzieren konnte. Als wir wieder unten waren konnte ich meinen Gefährten schnell hinter mir lassen und versuchte zu Nägele aufzuschliessen. Der 1.93 Meter Mann war jedoch zu schnell unterwegs und riss ein immer grösseres Loch auf mich auf. Auf den nächsten coupierten Kilometern via Lähn und der Mittelstation Grubig verlor ich den Leader aus den Augen. Immerhin konnte mir auf der Heide nicht folgen und von da an lief ich ein einsames Rennen. Bei Kilometer 13 passierte leider ein entscheidendes Malheur. In einem kurzen rutschigen Downhill verlor ich den Halt und ich knallte mit voller Wucht auf meine linke Schulter. Akkustisch setze es ein verunsicherndes Geräusch ab. Schnell bemerkte ich, dass etwas kaputt gegangen ist. Adrenalinerfüllt war der Schmerz zu diesem Zeitpunkt noch aushaltbar und ich setzte die Reise fort. Bis Biberwier waren gut 20 Kilometer absolviert. Nun stand der saftige Aufstieg auf die Biberwierer Scharte mit über 1’000 Höhenmeter in alpinem Gelände an. Herrliche Serpentinen führten mich in die Höhe während ich mich in einem tollen Laufflow befand.

Ich merkte, dass ich schnell unterwegs war und konnte die bergige Umgebung geniessen.  Erstaunlich schnell erreichte ich den nächsten Gipfel obwohl meine Schulter immer heftiger schmerzte. Auf der Passage nach der Scharte durften wir in waldigem Gelände einige nur leicht coupierte Kilometer auf Wanderwegen hinter uns legen. Leider war es für mich vorbei mit dem Genuss. Die Aufprallschläge der Laufbewegung schossen in die Schulter und ich konnte nicht mehr Vollgas geben. Ich entchloss mich den Arm wie in eine Schlinge im Trailbag unter zu bringen. So hatte ich zwar nur noch einen Arm frei für den Laufschwung, konnte aber zumindestens die Schüttelbewegungen etwas reduzieren. Beim Downhill zur Ehrwalder Alm wurde alles noch schlimmer, bei hohen Tempi war die Belastung enorm. Zudem gesellte sich kontinuierlich zu den Beschwerden auch die Erschöpfung. Schliesslich waren bereits fast 35 Kilometer absolviert und meine Suunto Pulsuhr zeigte bereits 4 Stunden seit dem Start in Ehrwald an. Nach der Ehrwalder Alm galt es sich nochmals an einer der vier Verpflegungsstationen Energie aufzutanken. Zu diesem Zeitpunkt schlossen wir aufs Feld der Läufer, welche den Berglauf (16km mit gut 2’200 Höhenmetern) absolvieren, auf. Entsprechend eng waren die kommenden Passagen. Ab Ehrwalder Alm war bei mir der Ofen fast aus. Die Erschöpfung liess meinen Schritt verlangsamen und das Gelände wurde immer technischer und extrem steil. Auf Skipisten und über Geröllhalden ging es weiter in die Höhe. Selten wurde ich von einem Laufparcours so gefordert. Die Steigung und die Müdigkeit zwangen mich zu Gehpausen. Mein berüchtigter Nähmaschinenschritt konnte nicht mehr angewendet werden. Die Schmerzen in der Schulter hinterliessen ebenfalls Spuren und ich spielte mit dem Gedanken aufzugeben. Lukas Nägele war nicht mehr zu erreichen für mich und letzten 5 Kilometer mit über 1’000 Höhenmeter bis zum Ziel auf Sonnalpin machten mir etwas Angst. Ab hier war das Rennen ein Überlebenskampf. Nicht gerade das, was man sich zum Geburtstag wünscht. Zu stark war jedoch der Wille meine bisherige Leistung zu krönen. Zwar musste ich viele Passagen gehend absolvieren und konnte nicht mehr rennen. Irgendwie näherte ich mich zum Glück immer mehr dem Ziel. Übers Gatterl, einige Berghütten und einer extrem steilen Schlusssteigung sah ich mich in der Nähe von der Bergstation. Letzte Energieschübe erfüllten meinen Körper während einige kleine Schneefelder von mir überquert wurden. Von hinten drohte keine Gefahr mehr und so genoss ich den Zieleinlauf nach 5 Stunden und 42 Minuten entsprechend. Das Gipfelbier und eine kühle Duschen motivierten mich auf den letzten Metern enorm. Lukas Nägele gewann den Wettkampf souverän mit 20 Minuten Vorsprung. Auch ich konnte auf der Heide um 13 Minuten distanzieren. Nun muss ich mich gut erholen und hoffe, dass die Verletzungen nicht zu stark sind. Daher entscheide ich mich spontan, wo ich als nächstes starte.